Wer schnell hilft, hilft doppelt

Leistungssport Austria und Partner Permedio zeichneten für die Gentests der österreichischen Starterinnen im Vorfeld der Leichtathletik-WM verantwortlich

Unsicherheit und Skepsis waren groß, als der Internationale Leichtathletikverband World Athletics Ende Juli bekanntgab, dass Athletinnen ab 1. September bei internationalen Meetings und Meisterschaften nur mehr antreten dürfen, wenn sie einen genetischen Test vorlegen können, der die Absenz des auf dem Y-Chromosom liegenden SRY-Gens (Sex-determining region of Y) bestätigt. Zunächst fehlte es an konkreten Vorgaben, als das Prozedere festgelegt war (Bild unten links) mangelte es vielerorts an Wissen, wer Wangenabstriche oder Bluttests mit verlässlichen Ergebnissen bereitstellen kann.

Nicht so in Österreich. Gregor Högler und Stefan Grubhofer, Vorstände von Leistungssport Austria, nahmen umgehend mit Permedio, ihrem Partner für Genetik und Epigenetik, Kontakt auf, beratschlagten mit Gründer Dr. Stefan Wöhrer über eine rasche und unkomplizierte Lösung. Die sah schließlich so aus, dass man sich auf die Durchführung der valideren Bluttests verständigte und die betreffenden Athletinnen zur Blutabnahme bei Leistungssport Austria bat. Die Proben wurden anschließend im Permedio-Labor für genetische und epigenetische Analysen in Neunkirchen untersucht.

Das – nicht ganz überraschende – Ergebnis, das den Athletinnen via Handy übermittelt (das Attest im Bild oben rechts) und von diesen selbständig in die vorgesehene Internetplattform eingepflegt wurde: Alle fünf ÖLV-WM-Starterinnen erhielten grünes Licht für jede weitere Teilnahme an hochrangigen Frauen-Wettkämpfen in der Leichtathletik und konnten sich in aller Ruhe auf die am Samstag beginnende Weltmeisterschaft in Tokio vorbereiten. Anderen Nationen steht die Prozedur noch bevor – Frankreich und Norwegen unterzogen sich erst am WM-Schauplatz dem Geschlechtertest.

Dr.in Beate Taylor, ÖLV-Sportdirektorin: „Als Leichtathletikverband sind wir Leistungssport Austria extrem dankbar, dass die Geschlechtertests binnen kürzester Zeit organisiert und in derart hoher Qualität durchgeführt werden konnten. Sogar World Athletics wollte von uns wissen, wie es uns gelungen ist, die Atteste so schnell bereitzustellen. Mittlerweile wurden die Ergebnisse von drei unserer fünf Tokio-Athletinnen kontrolliert.“

Victoria Hudson, Speerwurf-Europameisterin und Jahres-Weltbeste: „Leistungssport Austria wird immer mehr zu meinem One-Stop-Shop für fast alles. Nachdem das Team in der Südstadt schon sämtliche Facetten meines Betreuungsspektrums abdeckt, hatte es auch gleich die Lösung für die von World Athletics geforderten Gentests parat. Während andere Nationen fieberhaft nach Lösungen suchten, liefen Blutabnahme und Laboruntersuchung bei meinen Teamkolleginnen und mir fast nebenbei mit. Beruhigend war für mich zusätzlich, dass ich Permedio schon von genetischen und epigenetischen Screenings kannte, die aus der Partnerschaft mit Leistungssport Austria entstanden sind. Ob die von World Athletics verlangten Tests notwendig sind, vermag ich nicht zu sagen. Aus ethischer Sicht bleiben aber zwiespältige Gefühle.“

Dipl.-Ing. Gregor Högler, Vorstand Sport Leistungssport Austria: „Die Entscheidung von World Athletics, nur sechs Wochen vor der Weltmeisterschaft auf Gentests statt auf Hormonschwellenwerte zu setzen, hat natürlich für Unruhe gesorgt. Dank unseres Netzwerks bei Leistungssport Austria konnten wir binnen weniger Stunden und als eine der Ersten auf die neue Situation reagieren. Ich bin überzeugt, dass nun eine ganze Reihe von internationalen Fachverbänden nachziehen werden. Wir stehen bereit, wenn jemand Unterstützung benötigt.“