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ÖFB und Leistungssport Austria setzen ihre Zusammenarbeit im Bereich Sportwissenschaft fort / Rundum-Betreuung im Frauen-Nationalteam und umfassende Testungen im Nachwuchsbereich bleiben tragende Säulen der Kooperation

Fotos: Jasmin Walter/ÖFB (3), Florian Rogner/LSA (4)

 Leistung messen, Entwicklung nachvollziehen und daraus bessere Entscheidungen ableiten: Leistungssport Austria und der Österreichische Fußball-Bund setzen ihre Zusammenarbeit bis zumindest 2027 fort. Im Mittelpunkt stehen die gezielte Leistungsentwicklung, die individuelle Betreuung der Spielerinnen und Spieler sowie die langfristige Sicherung ihrer Gesundheit und Belastbarkeit. Die Vertragsverlängerung wurde im Rahmen der Pressekonferenz vor dem WM-Qualifikations-Rückspiel des österreichischen Frauen-Nationalteams gegen den Kosovo bekanntgegeben.

Seit 2016 verantwortet Sportwissenschaftler Dominik Strebinger die Testungen an acht Akademien und vier Landesverbandsausbildungszentren (LAZ) im Osten Österreichs (im Bild unten im LAZ Weiz). Das Spektrum reicht von anthropometrischen Messungen über Change-of-Direction-Tests und Medizinballweitwurf bis hin zu verschiedenen Muskelfunktionstests.

Die regelmäßigen Erhebungen liefern wichtige Grundlagen, um Trainingsmaßnahmen gezielter zu gestalten, individuelle Entwicklungspotenziale zu erkennen und die Prävention zu unterstützen. Der besondere Wert liegt dabei in der langfristigen Perspektive: Erst im zeitlichen Vergleich entsteht ein differenziertes Bild der individuellen Entwicklung.

Seit 2019 betreut Strebinger (im Bild unten mit Barbara Dunst) auch das österreichische Frauen-Nationalteam sportwissenschaftlich, begleitet die Mannschaft bei Lehrgängen, Spielen und Turnieren.

Mithilfe von GPS-Systemen wird die Belastung der Spielerinnen im Training und im Spiel detailliert erfasst. Analysiert werden unter anderem Lauf- und Sprintdistanzen, Zahl und Intensität der Beschleunigungen und Entschleunigungen sowie der Top-Speed. Entscheidend ist dabei nicht nur die absolute Leistung, sondern vor allem auch ihre Einordnung im Verhältnis zum individuellen Leistungsvermögen.

Ergänzend geben die Spielerinnen zweimal täglich über kurze Fragebögen Rückmeldung zu ihrem Befinden und zur subjektiv empfundenen Trainingsbelastung. Die Kombination aus objektiven Messdaten und persönlicher Einschätzung ermöglicht eine differenziertere Beurteilung der aktuellen Situation.

 Sportwissenschaftler Strebinger im Schlepptau von Barbara Dunst.

Der Frauenfußball hat sich in den vergangenen Jahren rasant weiterentwickelt. Das Spiel ist dynamischer geworden, die körperlichen Anforderungen sind gestiegen. Damit gewinnen eine präzise Belastungssteuerung, ausreichende Regeneration und eine konsequente Verletzungsprävention weiter an Bedeutung.

„Unser Credo ist klar: Der Athlet, die Athletin steht im Zentrum. Wir wollen nicht nur wissen, was eine Spielerin leisten kann. Wir wollen verstehen, was sie braucht, damit sie diese Leistung über einen langen Zeitraum abrufen, aber auch gesund in ihre Karriere nach dem Sport starten kann“, betont Gregor Högler, Vorstand Sport bei Leistungssport Austria.

Für Leistungssport Austria hat die Zusammenarbeit mit dem ÖFB auch eine strategische Dimension. „Wenn man mit dem größten Fachverband des Landes zusammenarbeitet, muss es um mehr gehen als um die Abrufbarkeit einzelner Leistungen. Unser Anspruch ist, gemeinsam mit dem ÖFB Strukturen weiterzuentwickeln und den österreichischen Fußball mit dem zu unterstützen, was moderner Spitzensport heute braucht“, erklärt Stefan Grubhofer, Vorstand Wirtschaft bei Leistungssport Austria.

Ein wesentlicher Faktor ist dabei der systematische Aufbau und die Nutzung von Wissen. Über Jahre erhobene Daten machen Entwicklungen vergleichbar, helfen dabei, Erfahrungen einzuordnen, und schaffen eine Grundlage für fundiertere Entscheidungen. Grubhofer: „Im Spitzensport sind Daten längst zu einem der wertvollsten Rohstoffe geworden. Weil es nicht immer nur entscheidend ist, wer schneller, stärker oder besser ist. Entscheidend ist auch, wer schneller lernt, wer seine Daten besser versteht, wer aus jedem Training, jedem Spiel und jeder Erfahrung mehr herausholt.“

Die gemeinsame Zielsetzung der Zusammenarbeit bleibt, wissenschaftliche Erkenntnisse konsequent in die sportliche Praxis zu übertragen – vom Nachwuchs bis zum Nationalteam. Gregor Högler: „Daten allein schießen noch keine Tore. Entscheidend ist, dass wir die richtigen Daten erheben, sie richtig interpretieren und daraus die richtigen Entscheidungen treffen. Damit Österreichs Fußballerinnen ihr Potenzial ausschöpfen können, gesund bleiben und bereit sind für den Moment, der zählt.“

Weitere Stimmen:

 Bernhard Neuhold, Geschäftsführer ÖFB Wirtschaftsbetriebe GmbH: „Im ÖFB gewinnt das Thema Wissenschaft immer mehr an Bedeutung. Wir haben auch eine eigene, dreiköpfige Abteilung, aber die reicht natürlich nicht aus, um alle Felder zu bedienen, wenn man die Spielerinnen und Spieler von Kindesbeinen an vollumfänglich und langfristig betreuen will. Deshalb sind wir sehr dankbar, dass wir auf die Expertise von Leistungssport Austria zugreifen können. Dort gibt es Spezialist:innen für alle Bereiche, die Synergien sind zahlreich, die gewonnenen Daten eine starke Wissensbasis. Wir freuen uns schon auf die weitere Zusammenarbeit.“

Lars Söndergaard, Teamchef Frauen-Nationalteam: „Die Partnerschaft mit Leistungssport Austria ist sehr wichtig, weil es im Frauenfußball viel weniger Forschung als im Männerbereich gibt, die physiologischen Unterschiede aber groß sind. Die vorhandene riesige Datenmenge hilft uns, die Spielerinnen gut auf die Spiele und ihre weitere Karriere vorzubereiten. Für mich ist auch der Kontakt mit den ausländischen Vereinen der Spielerinnen von großer Bedeutung, um über Vorbelastungen Bescheid zu wissen. ,Strebi‘ ist auch in diesem Bereich immer auf dem letzten Stand.“

 Sarah Puntigam, Kapitänin des ÖFB-Frauen-Nationalteams: „Die Spielerinnen kommen mit völlig unterschiedlichen Vorbelastungen zum Nationalteam, da ist es unerlässlich, das Training individuell abzustimmen. Für uns sind zwei Aspekte am wesentlichsten: die Verletzungsprävention und die gezielte Trainingssteuerung, um die bestmögliche Leistung im Spiel abrufen zu können. Mit ,Strebi‘ funktioniert das immer sehr gut.“